Geht es nach den beiden Salzburger Unternehmen Elektro Grundler und ip&p projects & promotions - Spezialist für Elektro- und Gebäudesicherheitstechnik und Partner für das gesamte Projektmanagement - gehören im Brandfall Chaos und Panik schon bald der Vergangenheit an. Denn mit Unterstützung des Microsoft Gold Certified Partners Cubido wurde ein optimiertes, dynamisches System zur Fluchtweglenkung entwickelt, das hinkünftig Personen im Notfall den sicheren, vor allem aber freien Fluchtweg nach Draußen weisen wird. Möglich wurde dieses System unter anderem durch den Einsatz von Webservices und die neueste Technologie von Microsoft.

Lesen Sie mehr zu FLEXIT in einer Multimedia-Präsentation (FLEXIT_Praesentation.zip)
Ein Horrorszenario, wie es leider immer wieder Realität wird: ein Brand in einem öffentlichen Gebäude. Die Menschen drängen zu den Notausgängen, Panik bricht aus, Fluchtwege werden durch starke Rauchentwicklung, Rauchgas und Flammen versperrt, Menschen kommen in irgendeiner Form zu Schaden. Beispiele wie dieses könnten schon bald der Vergangenheit angehören. Denn mit „FLEXIT“ (kurz für Flexible Exit ) hat das Salzburger Unternehmen Elektro Grundler, gemeinsam mit dem Projektentwicklungspartner ip&p projects & promotions und dem Microsoft Gold Certified Partner Cubido, eine zukunftsweisende Lösung entwickelt, die eine dynamische Fluchtweglenkung im Katastrophenfall erlaubt.
Bereits im Jahr 1997 kam eine erste Vorgängerversion, erfunden von Elektro Grundler und 2001 mit dem Innovationspreis des Landes Salzburg ausgezeichnet, im Salzburger Museum Haus der Natur zum Einsatz. „Elektro Grundler schlug damals dem Bauherren im Zuge einer Sanierung der Sicherheits- und Fluchtwegbeleuchtung inklusive der Brandmeldeanlage ein alternatives, LED basierendes System mit dynamischer Fluchtweglenkung vor“, schildert Franz Blohberger von ip&p die Historie des Projektes. „Weil ein solches System aber am Markt noch gar nicht erhältlich war, hat Elektro Grundler dieses System einfach selbst entwickelt und im Haus der Natur implementiert. Mitte Juni 1999 wurde es dann nach einjähriger Probezeit baupolizeilich abgenommen und mit einem Genehmigungsvermerk versehen.“
Ausgangssituation: FLEXIT an Bedürfnisse des Marktes anpassen
Nach dem Gewinn des Innovationspreises des Landes Salzburgs im Jahr 2001 – das ursprüngliche FLEXIT-System war seit der Implementierung ohne Ausfall oder Störung im Haus der Natur im Einsatz – wurde ip&p mit der Weiterentwicklung der Funktionen sowie dem kompletten Projektmanagement beauftragt. Ende des Jahres 2004 wurde ein Gesamtkonzept einer neuen Version sowie die dazu gehörende Patentierung durchgeführt. „Basis war die Idee der Firma Grundler, Personen dynamisch, in Abhängigkeit des ausgelösten Brandmelders auf dem „noch“ sicheren Fluchtweg gefahrlos nach Draußen zu leiten. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der generellen Systemoffenheit, auf der möglichen Anbindung bestehender oder auch zukünftiger Gebäudetechniksystemlösungen sowie auf der funktionellen Systemsicherheit, insbesondere der Redundanz“, betont Franz Blohberger die Ansprüche an das neue FLEXIT-System.
Zwei Lösungspartner hinzugezogen
Nach der Erstellung eines technischen Pflichtenheftes und eines markt- und betriebswirtschaftlichen Konzeptes seitens ip&p wurden für die Umsetzung von FLEXIT alle notwendigen Partner evaluiert und unter Vertag genommen. Dabei wurde auf zwei Kooperationspartner gesetzt, die in weiterer Folge das Projekt mitentwickelten. „Für die Hardwarekonzeption und Softwareprogrammierung der gesamten Hardware haben wir mit der Firma ITP der Technischen Universität Wien zusammen gearbeitet. Mit der Softwareentwicklung des gesamten Leitstands, also des Konfigurations- und Visualisierungsanwendung für den Kunden, haben wir cubido business solutions beauftragt. Denn mit dem Management von cubido haben wir schon mehrfach innovative Projekte umgesetzt, und sie gelten als ausgewiesene Spezialisten für das Thema Webapplikationen.“ Für die spätere Abnahme des Systems durch die Behörden wurde laufend enger Kontakt mit den zuständigen Brandschutzbehörden und Normenverantwortlichen gehalten, um alle Eventualitäten von Anfang an berücksichtigen zu können, ergänzt Blohberger.
Lösung: Einsatz neuester Microsoft-Technologie mit .NET 2.0 und SQL Server 2005
Rainer Stropek, Geschäftsführer von Cubido Business Solutions, erklärt, dass mit Ende 2004 der Startschuss zu einer kompletten Neuentwicklung von FLEXIT gegeben wurde: „Das ursprüngliche System, wie es im Haus der Natur zum Einsatz kam, berücksichtigte beispielsweise noch keine Audio- oder Videokomponenten. Es wurde daher einerseits ein neues Hardwarekonzept realisiert, andererseits gleich die komplette Plattform von FLEXIT neu entwickelt. Nachdem dies von der Firma ITP umgesetzt war, haben wir die entsprechende Konfigurations- und Visualisierungsanwendung darauf entwickelt.“ Bereits sehr früh sei dabei die Entscheidung getroffen worden, mit dem Microsoft .NET Framework 2.0 und Microsoft SQL Server 2005 auf die modernste Technologie zu setzen, betont Rainer Stropek. „Als Datenbank, in der die Daten gehalten werden, wurde zunächst noch Microsoft SQL Server 2000 verwendet, weil die neue Version noch nicht verfügbar war. Die Entwicklung lief aber schon parallel, so dass die finale Lösung ab dem Marktstart komplett auf dem neuen SQL Server 2005 laufen wird.“ Die neue Version des SQL Server habe den entscheidenden Vorteil, XML-Funktionen zur Verfügung zu stellen, betont Stropek. Dies bedeute gemeinsam mit der C-SQL-Sprachmöglichkeit eine deutliche Zeitersparnis in der Integration der Datenbank mit den anderen Systemkomponenten.
Webservices ermöglichen Koppelung von Windows- und Linux-basierten Systemen
Die technische Besonderheit für die Umsetzung der zentralen Konfigurations- und Visualisierungsanwendung von FLEXIT war die Koppelung eines Windows- und eines Linux-basierten Systems, betont Stropek. Diese schwierige Herausforderung konnte durch die Verwendung von Webservices gemeistert werden: „Die zentrale Management-Unit nutzt als Betriebssystem embedded Linux, unsere Anwendung wurde als Web-Applikation entwickelt und basiert auf Microsoft-Technologie. Durch die Verwendung des Microsoft .NET Framework 2.0 und Webservices konnten wir zum einen unsere Anwendung hervorragend mit dem restlichen System integrieren. Zum anderen konnten wir offene Schnittstellen realisieren, die ein zukünftiges plattformunabhängiges Zusammenarbeiten mit fremden Systemen einfach möglich machen wird. Dies war auch einer der wesentlichsten Punkte im Anforderungskatalog.“ Solche Fremdsysteme seien zum Beispiel externe Partner wie die Feuerwehr oder bereits vorhandene Integrationslösungen bei einem Kunden. Die Umsetzung der Lösung als Web-Anwendung erlaube außerdem auch den Abruf der Visualisierung über tragbare Geräte, wie zum Beispiel Laptops, Tablett-PCs oder Handhelds, weist Stropek auf die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten hin. „Mit der Anwendung kann der Kunde oder externe Partner einerseits die zentrale Management-Unit von FLEXIT konfigurieren, andererseits die angeschaltene Sensorik und deren Fluchtwege durch Symbole grafisch darstellen. Diese grafische Darstellung ermöglicht zum Beispiel durch Veränderung der Farbe oder Form die Anzeige verschiedener Zustände, wie Alarm oder Statusmeldungen.“
Nutzen: Personen individuell lenkbar, auch Seh- und Hörbehinderte
Fluchtwegsysteme, wie sie derzeit am Markt verfügbar sind, würden Menschen im Brandfall immer in die gleiche Richtung schicken, egal wo im Gebäude der Brand ausgebrochen sei, analysiert Franz Blohberger das bisherige Marktangebot. „FLEXIT hingegen errechnet immer den kürzest möglichen Weg aus dem Gebäude, aber immer auch unter Berücksichtigung und Auswertung der Informationen der Brandmelder. Außerdem werden alle Aktivitäten des Systems online überwacht und protokolliert. Damit ist eine spätere Auswertung möglich.“ Wichtig sei, dass mit FLEXIT erstmals auch seh- und hörbehinderte Personen geleitet und gelenkt werden können, betont Blohberger, und beschreibt detailliert die Funktionsweise: „Die Brand-, Gas- beziehungsweise anderen Gefahrenmeldeanlagen überwachen mit ihren Detektoren und Sensoren den zu schützenden Bereich. Im Alarmfall wird der ausgelöste Gefahrenmelder ausgewertet und mittels einer Schnittstelle an das FLEXIT- Fluchtwegleitsystem übergeben. Die Anzeigen der FLEXIT–Fluchtweganzeigeunits werden umgehend auf den kürzesten noch sicheren Fluchtweg eingestellt. Durch eine blickende Anzeige wird der Alarmfall zusätzlich optisch hervorgehoben, und es werden akustische Warnmeldungen abgegeben.“
Der zentrale Leitstand mit der Konfigurations- und Visualisierungsanwendung kann sich sowohl im Haus des Kunden als auch extern befinden. Für alle Funktionen werden permanent umfangreiche Test- und Simulationsprogramme durchgeführt und protokolliert. Seh- oder Hörbehinderte werden durch die Helligkeitssteuerung des Displays - 30-100 Prozent pulsierend - und durch das integrierte elektroakustische Warnsystem mit umfassenden Sicherheitskriterien sowie einer roten Laufschrift mit definierten Alarmmeldungen erstmals einer Gefahrensituation schneller bewusst. Somit wird diesen Personen die Flucht erleichtert.
Prototyp, Messeauftritte, Start am deutschsprachigen Markt
Grundsätzlich kann das neue System in jedem Gebäude mit einer großen Menschenansammlung sinnvoll eingesetzt werden, das über mehr als einen Fluchtweg verfügt. Der Fokus wird allerdings auf große öffentliche Gebäude, auf U-Bahnstationen oder zum Beispiel Tunnelanlagen in der Schifffahrt liegen, definiert Franz Blohberger die anvisierten Zielgruppen. Derzeit läuft ein Prototyp von FLEXIT, der ab November 2005 auf Messeterminen präsentiert werden wird. Im Anschluss wird zunächst der Vertrieb im deutschsprachigen Raum gestartet werden. Nach erfolgreichem Markteintritt sollen analog dazu auch Vertriebsstrukturen im internationalen Markt aufgebaut werden.