Basel II bezeichnet die Gesamtheit der Eigenkapitalvorschriften, die vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht in den letzten Jahren vorgeschlagen wurden. Abhängig von bestimmten Risikofaktoren bei Kreditnehmern müssen Kreditinstitute für höheres Risiko nunmehr auch höheres Eigenkapital in den Bilanzen bereitstellen, um bei Ausfällen von Krediten ihre Verbindlichkeiten gegenüber anderen Kunden der Bank erfüllen zu können. Als Resultat von Basel II erfassen und bewerten nunmehr Banken laufend die relevanten Daten von Kreditnehmern – wie zum Beispiel Sicherheiten, Wertpapierdepotpositionen oder Vermögensgegenstände.
 
Bei der direktanlage.at AG werden alle anonymisierten, Basel II relevanten Daten in einem zentralen Data Warehouse (DWH), das auf Basis Microsoft SQL Server aufgebaut ist, gehalten.
 
Ausgangssituation: Schnittstelle für täglichen Datentransfer zur HVB benötigt

Aufgrund der aufsichtsrechtlichen Vorschriften der HVB ist die Tochtergesellschaft direktanlage.at AG verpflichtet, die anonymisierten, Basel II relevanten Daten täglich an die Muttergesellschaft zu liefern, erklärt Mag. Angela Gütl, Risikomanagerin von direktanlage.at. „Diese Daten werden historisch gesammelt und zum Beispiel für die Berechnung des Kreditrisikos in Form von Simulationsmodellen verwendet.“ Deadline für die erste Echtdatenlieferung an die HVB war der 1. Jänner 2008. „Wir haben daher bereits im Jahr 2006 Überlegungen angestellt, in welcher Form wir die Basel II Daten an die HVB liefern werden“, so Mag. Gütl.
 
Weil das Buchungssystem der direktanlage.at ins Allgemeine Rechenzentrum (ARZ) ausgelagert ist, war der erste Ansatz, die Daten für die Anforderungen der HVB direkt im ARZ aufbereiten zu lassen. „Der damit verbundene Kostenvoranschlag für eine tägliche Datenlieferung war uns aber von den Fixkosten her viel zu hoch“, erläutert Mag. Gütl. „Aus diesem Grund haben wir nach einer kostengünstigeren Alternative gesucht, die Daten direkt aus unserem DWH zu extrahieren und zu transferieren.“ Nachdem man schon bei der Errichtung des Data Warehouse auf Basis Microsoft SQL Server von cubido business solutions, einem Microsoft Gold Certified Partner, unterstützt worden war, wandte man sich auch diesmal wieder an dieses Unternehmen.
 
Lösung: standardisierte Schnittstelle erfüllt alle Anforderungen
Als Ziel wurde definiert, direktanlage.at ein Framework auf Basis von Microsoft SQL Server in die Hand zu geben. direktanlage.at verfügte intern bereits über profunde Kenntnisse im Bereich SQL Server-Technologie und sollte in weiterer Folge die laufende Wartung und Pflege der Lösung selbst durchführen können. David Schwingenschuh, Projektleiter bei cubido business solutions, präzisiert: „Es ist wie bei einer Mathematikschularbeit: Nur wenn das Ergebnis ganz unten stimmt, kann die Rechnung als richtig gewertet werden. Daher hatte es absolute Priorität, einen Mechanismus zu entwickeln, der die Daten im gewünschten Flatfile Format ausschließlich im Falle eines erfolgreichen Gesamtexports aus dem DWH der direktanlage.at täglich an die HVB anliefert – und dies unter Berücksichtigung der abhängigen Business Entitäten. Dieser Mechanismus sollte auch im Fehlerfall informieren beziehungsweise bei der Suche unterstützen.“ Business Entitäten fassen in diesem Kontext bankenrelevante Informationen, wie zum Beispiel Sicherheiten oder Wertpapierstammdaten, zusammen und werden in Tabellen dargestellt.
 
Herausforderung Datenabstimmung

Die Suche von Business Entitäten im Data Warehouse der direktanlage.at und die nachfolgende Überprüfung nach Übereinstimmung mit den Begriffen der Mutter HVB standen am Anfang des Projektes und seien eine zentrale Herausforderung bei diesem Projekt gewesen, erklärt David Schwingenschuh. „Drei wesentliche Fragen standen also am Beginn des Projektes: WAS ist WANN und WIE zu übertragen? Alle drei Fragen wurden im Spezifikationskatalog der HVB recht detailliert beantwortet. Und doch hatten wir bei der Frage nach dem WAS alle Hände voll zu tun, eine gemeinsame Sprache zwischen den Datenstrukturen des DWH der direktanlage.at und jenen des Mutterkonzerns herzustellen. Erste Aufgabe war es daher, einen Kennzahlenkatalog zu erstellen: Denn je stärker die Spezifikation zwischen den Begriffen übereinstimmt, desto größer ist nachfolgend die Zeitersparnis bei der Realisierung.“
 
Die weiteren Ziele des Projektes: Die zu exportierenden Business Entitäten sollten möglichst granular konfigurierbar sein. Ein Logging über den gesamten Exportvorgang inklusive allfälliger Benachrichtigung von Verantwortlichen wurde ebenso gewünscht. Dazu sollte eine einfache Erweiterung, zum Beispiel um neue Business Entitäten, oder Änderung durch IT-Mitarbeiter der direktanlage.at AG ermöglicht werden. Bei der Umsetzung sollten zudem ausschließlich Features von Microsoft SQL Server zum Einsatz kommen.
 
Wichtig sei vor allem auch ein gutes Projektmanagement gewesen, um die einzelnen Arbeitspakete zwischen den Mitarbeitern der direktanlage.at und von cubido business solutions optimal aufteilen zu können, betont Schwingenschuh. „cubido war für die Gesamtarchitektur, die Erstellung der Views für die Mappings sowie die Erstellung des StoredProcedure Sets für Konfiguration, Export und Transaktionssicherung verantwortlich und sorgte für einen intensiven Know-how-Transfer. Die Mitarbeiter der direktanlage.at waren für die laufende Abstimmung mit der HVB, für die Vorbereitung der Mappings zwischen dem DWH und der neuen Schnittstelle, für die Integrationstests und Anpassungen sowie für die Produktivstellung zuständig.“
 
Nutzen: Datenübertragung vollautomatisch

Nach wenigen Tagen Prototyping, um die beste Lösungsvariante zu finden, wurde im Juni 2007 begonnen, die Schnittstelle zu entwickeln. Ende 2007 waren die Entwicklungs-, Test- und Qualitätssicherungsarbeiten abgeschlossen, und seit Anfang 2008 wird der gesamte Prozess der tagesaktuellen Datenübertragung vollautomatisch abgewickelt. Alle Vorgänge werden laufend überwacht, wobei vor allem die Konsistenz der Daten überprüft wird. „Es wird zum Beispiel überwacht, ob die Business Entitäten in sich konsistent sind und ob der tägliche Snapshot vollständig ist. Passiert ein Fehler im Datenexport – wenn zum Beispiel die Gesamtsumme der Sicherheiten nicht stimmt -, werden die betreffenden Daten gar nicht erst übertragen und es wird via E-Mail eine Fehlermeldung an eine verantwortliche Person bei direktanlage.at gesendet“, erklärt David Schwingenschuh.

Kostengünstig, leicht wartbar, schnell und flexibel
 
Mit der neu realisierten Schnittstelle kann die direktanlage.at AG heute die Anforderungen für den täglichen Datentransfer zur Muttergesellschaft HVB ausgezeichnet bewältigen, sagt Mag. Gütl. „Im Gegensatz zur ursprünglich angedachten Lösung hatten wir nur einmal den Aufwand, diese Schnittstelle zu realisieren. Das rechnet sich über die Jahre und vermeidet hohe Fixkosten!“ Darüber hinaus sei die gesamte Schnittstellen-Lösung einfach durch die eigenen Mitarbeiter zu pflegen. „Die Anforderungen an die Schnittstelle verändern sich laufend. Durch den Know-how-Transfer, der durch das Team von cubido business solutions erfolgte, können wir heute alle benötigten Änderungen selbst durchführen“, freut sich Mag. Gütl abschließend.