Im Gespräch mit Peter Schranz, dem Leiter des Projekts Preview-Videoverwaltung beim ORF, wird schnell klar, wo die Herausforderungen für Medienunternehmen liegen: „Dem Begriff Archivierung haftet naturgemäß etwas Verstaubtes an. Dabei geht es uns ja nicht in erster Linie um eine Ablage für die Nachwelt, sondern um eine Form der Aufbewahrung, die für aktuelle Produktionen kreativ durchforstet werden kann. Nehmen Sie die „Sendung ohne Namen“ – sie zeigt programmatisch, wie der kreative Umgang mit einer Vielzahl an Videosegmenten neue und innovative Formate entstehen lässt. Mit textbasierten Suchergebnissen wird man da nicht mehr viel ausrichten.“

Dabei übernimmt in einem ersten Schritt die sogenannte FlipFactory gemeinsam mit dem Preview-Client die Aufgabe, vorhandenes Rohmaterial zu transcodieren, Videos zu erstellen, in Keyframes (also Einzelbilder) zu zerlegen und in der Essenzverwaltung abzulegen. Sie bildet die Drehscheibe, weil darauf sowohl das zentrale ORF-Archivsystem (FESAD) als auch der von cubido entwickelte Preview Client zugreifen können. Dieser sorgt in der Folge für die Segmentierung der einzelnen Beiträge, sowie die Beschlagwortung und Aufbereitung der Inhalte über kleine Vorschauvideos, damit der/die Journalist/in einfach, intuitiv (dank Rich Client Technologie) und mit der nötigen Performance recherchieren kann. Das ist bei 230.000 Vorschauvideos und 62 Millionen Keyframes alles andere als selbstverständlich.

Kein Wunder, dass man sich in diesem Projekt wirklich alles – von den Schnittstellen, über die Architektur bis hin zu den physischen Speicherprozessen und den damit verbundenen Schreiblasten auf den Laufwerken – sehr genau angeschaut hat, um in punkto Stabilität, Leistung und Skalierbarkeit eine zukunftsweisende Lösung zu entwickeln. Wobei dieses Projekt auch weit zurück in die Vergangenheit geht, wo an die 60 Jahre Fernseh- und Kulturgeschichte darauf warten, digitalisiert zu werden. „Bei über 100.000 Sendungen und Beiträgen, die jedes Jahr dazukommen, wird  uns dieses Projekt sicher noch längere Zeit begleiten“, meint Peter Schranz.