Die Österreichischen Bundesbahnen standen Anfang 2004 vor einer der größten Herausforderungen der vergangenen Jahre. Das gültige Arbeitszeit- und Arbeitsruhegesetz wurde aufgrund von EU-Richtlinien auch auf Österreichs größten Verkehrsbetrieb, die ÖBB, ausgedehnt. Mit 01.01.2005 müssen die ÖBB-Bediensteten nach dem Kollektivvertrag behandelt werden und haben Anspruch auf die gesetzlich geregelten Ruhezeiten und Pausen zwischen den Schichten.
Mega-Projekt mit Rekordzahlen
Für den Verkehrsbetrieb mit seinen insgesamt 7000 Mitarbeitern in der Traktion GmbH bedeutete dieser Schritt eine gänzliche Neustrukturierung der Personaleinsatz-Planung als Grundlage für die Lohnverrechnung. Ein Mammut-Projekt, wenn man sich die Zahlen und Fakten vor Augen hält: Rund 150 Anwender in der Personaleinsatz-Planung (PEP) erstellen in zwei Monaten durchschnittlich für 7.000 Lokführer und sonstige Mitarbeiter der Traktion Gmbh sowie 2.000 Zugbegleiter der ÖBB-PV-AG insgesamt 276.000 Schichten und 69.000 Wochenruhen, welche in der Folge von rund 400 Mitarbeitern disponiert werden. Dabei werden etwa 20 verschiedene Tätigkeiten eingeplant, die auch unterschiedlich entlohnt werden. Unter Berücksichtigung der diversen Tätigkeiten sind im selben Zeitraum mehr als 3,8 Millionen einzelne Arbeitsschritte zu planen.
Unter großem Zeitdruck musste innerhalb eines halben Jahres bis Ende 2004 ein neues System für die Personaleinsatz-Planung entwickelt werden. Folgende Kriterien sollten dabei erfüllt werden:
- Einhaltung des Arbeitszeit/Arbeitsruhegesetzes und der neuen ÖBB-Kollektivverträge
- einheitliche Planung und Abrechnung aller Geschäftsfelder über eine Applikation
- automatisierter Datenabgleich mit dem Lohnverrechnungssystem SAP
Ein ver-LOK-endes Angebot
Den Zuschlag für die Unterstützung bei Planung und Umsetzung des Mega-Projektes erhielt im Mai 2004 der oberösterreichische IT-Beratungspartner cubido business solutions gmbh, der eine Datenbanklösung auf der Basis von Microsoft Windows Advanced Server 2000 und Microsoft SQL Server 2000 Enterprise Edition befürwortete. Die Personaleinsatzplanung und Disponierung wurde bis dahin über verschiedene Einzelsysteme abgewickelt, die auf geografische Orte begrenzt waren und nur eingeschränkt miteinander kommunizieren konnten. „Für die Planung der Personaleinsätze waren regelmäßig E-Mail- oder Telefonanfragen an die einzelnen Standorte notwendig, und dennoch waren Doppel oder Fehlbesetzungen nie ganz auszuschließen“, schildert der IT-Verantwortliche aus dem ÖBB-Bereich Traktion, Ing. Oliver Elsner, die Schwächen des abgelösten Systems.
Vor diesem Hintergrund bestand die Hauptanforderung in der Schaffung eines österreichweiten, einheitlichen PEP-Systems. „Für die Planung der Lokomotiven hat die ÖBB Traktion Gmbh schon länger eine SQL-Server-Lösung in Betrieb, mit der sie sehr gute Erfahrungen gemacht hat“, berichtet der zuständige Projektleiter bei cubido business solutions, Klaus Gutschireiter. „Daher war die Umstellung des PEP-Systems auf Microsoft SQL Server 2000 ein logischer Schritt.“ Dazu kommt auch die enge inhaltliche Verflechtung beider Themen, so dass in der Praxis de facto eine Datenbank-Lösung mit zwei Anwendersystemen entwickelt wurde.
Ein guter Zug - neues System spart Kosten
„Mit der SQL-Server-Lösung verfügen wir nun über ein höchst leistungsfähiges Planungsinstrument, das ein transparentes und zuverlässiges Arbeiten ermöglicht. Durch effizientere Abläufe und den Wegfall von persönlichen Anfragen ersparen wir uns nun im Prozess der Personaleinsatzplanung die Menge an Zeit, die wir auf Grund der geänderten Rahmenbedingungen des Arbeitszeit/Arbeitsruhegesetzes sonst hätten aufwenden müssen“, zieht Elsner eine erste Bilanz nach zwei Monaten Praxis mit dem neuen System. „Ein zusätzlicher Mehraufwand von 20 Prozent konnte somit verhindert werden.“
Eine wichtige Anforderung an das Datenbank-System war der 24-Stunden-Betrieb, da die rund 500 Planungsmitarbeiter rund um die Uhr im Einsatz sind. „Hier bietet Microsoft SQL Server einen deutlichen Kostenvorteil gegenüber anderen Datenbank-Systemen“, betont IT-Experte Gutschireiter und führt weiter aus: „Bei einer SQL-Server-Lösung lassen sich Wartungsarbeiten im Hintergrund durchführen, ohne die Verfügbarkeit zu beeinträchtigen.“ Auch die Kosten-Nutzen-Relation mit einem Server und einem Back-Up-System sei sehr günstig. Bei anderen Datenbank-Lösungen würde man ungleich mehr Hardware benötigen, so Gutschireiter.
Zugriffsoptimierungen steigern Performance
Gelobt wird von den Mitarbeitern neben der Transparenz des Systems auch die Schnelligkeit und Exaktheit in der Bearbeitung. Hierfür sind diverse Funktionen für die Zugriffsoptimierung verantwortlich, die im Microsoft SQL Server 2000 standardmäßig enthalten sind. Obwohl immer zig Mitarbeiter gleichzeitig Daten in das System eingeben, kann es aufgrund optimierter Sperren nicht zu Doppeleinträgen kommen. Die optimierten Sperren ermöglichen auch das Blockieren von Datensätzen für ganze Gruppen von Mitarbeitern, was Performance-Vorteile bringt, da bei der Bearbeitung von Gruppen nicht zahlreiche Einzelsperren vergeben werden müssen.
Index-Anpassungen ohne Zwischenstopp

Eine weitere wesentliche Funktion für die Zugriffsoptimierung sind die temporären Tabellen, die besonders für die Bearbeitung von Gruppen bedeutsam sind. Will man beispielsweise Informationen von 100 Lokführern abrufen, so wird von dieser Datengruppe eine Kopie erstellt, mit der der Benutzer arbeiten kann. Auf diese Weise sind die Originaldaten nur kurze Zeit gesperrt. Auch die Funktion für die Anpassung von Indizes ermöglicht effizientes Arbeiten ohne Stillstandszeiten. Bei vielen Datenbank-Systemen kommt es bei der Anpassung der Indizes, die das Auffinden von Informationen in dem Volumen von mehreren Millionen Datensätzen gewährleisten, zu Stillstandszeiten. Die SQL-Server-Lösung hingegen besticht durch eine leistungsstarke Funktion für die Reorganisation von Indizes, die Anpassungen im Hintergrund ohne Stillstandszeiten ermöglicht.
Signale für die Zukunft
Derzeit wird das neue PEP für rund 9.000 Mitarbeiter verwendet, in Zukunft könnte das System auf andere ÖBB-
Bereiche ausgeweitet werden. Zunächst folgt aber noch eine zweite Projektphase, sobald die Entwicklungen für den Datenexport in die Lohnverrechnung abgeschlossen sind. Die zweite Projektphase hat zum Ziel, die Personalkosten durch gezielte Optimierungen in der Einsatzplanung zu reduzieren. Durch Zusatzprogrammierungen soll das PEP-System den Anwendern Szenarien liefern, die Kostenvergleiche enthalten und Vorschläge für die preisgünstigste Tätigkeitsbesetzung machen. Durch die Vielzahl an Zuschlägen und Überstundenregelungen können je nach Qualifikation und Auslastung der einzelnen Mitarbeiter große Unterschiede entstehen.
Hier sieht ÖBB-Mann Elsner ein großes Kostensenkungspotential: „Derzeit wendet der Bereich Traktion mit den zu planenden 7.000 Mitarbeitern rund 350 Millionen Euro pro Jahr an Personalkosten auf. Wenn wir durch Optimierungen nur eine Reduktion um ein Prozent erreichen, wirkt sich das in beachtlichen Einsparungen aus.“