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Agentic Easter: Die Eier-Färbemaschine und das MCP-Protokoll

4 Min. Lesezeit
Dienstag, 31. März 2026

Warum der Osterhase Farben nicht mehr per Function Calling mischt

Gekochte Eier sind gut. Aber ohne Farbe wären sie… sagen wir mal: traurig 🥚😐

Nachdem der Osterhase seine Eierkochmaschine erfolgreich automatisiert hatte, stand die nächste Herausforderung an: Das Färben der Eier.

Und diesmal war schnell klar, das ist kein einfacher Funktionsaufruf mehr.

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Vom Tool zum System

Im letzten Beitrag hat der Osterhase gelernt, wie ein Agent Maschinen über klar definierte Funktionen steuern kann. Jetzt wird es aber deutlich komplexer. Denn was passiert, wenn das „Tool“ selbst zu einem eigenständigen System wird?

So wie die Eierkochmaschine, ist auch die Eierfärbemaschine des Osterhasen ein sehr fortschrittliches Gerät. Diese kann
  • Farben mischen
  • RGB-Werte verarbeiten
  • mehrere Eier gleichzeitig färben und
  • eigene Zustände verwalten

Diese Maschine ist kein simples Tool mehr sondern ein eigenständiges System.

Das ist eine Situation, die viele Unternehmen kennen: Systeme sind nicht mehr „klein und einfach“, sie haben eigene Logiken, eigene Zustände und Schnittstellen. Beispiele dafür sind CRM-Systeme, Produktionsanlagen oder Data-Plattformen. Die entscheidende Frage ist nun, wie man solche Systeme integrieren?

Im letzten Beitrag (Eierkochmaschine) hat Function Calling perfekt funktioniert, denn Function Calling ist ideal für kleine, klar definierte Aktionen. Sobald allerdings Systeme komplexer werden, Zustände verwalten und unabhängig betrieben werden, stößt dieser Ansatz an seine Grenzen.

Zeit für etwas Neues:

Willkommen im MCP-Universum

An dieser Stelle entdeckt der Osterhase "MCP" – das Model Context Protocol.

MCP ist ein Protokoll, mit dem Agenten strukturierte Fähigkeiten externer Systeme nutzen können, ohne diese direkt als Funktionen implementieren zu müssen.

Kurz gesagt: 
  • Function Calling → lokale Tools
  • MCP → externe Capabilities
MCP verändert die Perspektive:  Systeme werden nicht mehr „eingebaut“ – sie werden angebunden. Das bedeutet eine lose Kopplung statt fester Integration, Wiederverwendbarkeit von Fähigkeiten und klare Schnittstellen zwischen Systemen.

Was ist MCP ?

MCP beschreibt:
  • welche Fähigkeiten ein System anbietet
  • welche Parameter es erwartet
  • welche Ergebnisse es liefert
Und das alles:
  • standardisiert
  • maschinenlesbar
  • unabhängig vom Agenten

MCP ist das, was APIs für klassische Software waren – nur für AI-gestützte Systeme. Das bedeutet für Sie eine schnellere Integration, geringere Abhängigkeiten und bessere Skalierbarkeit Ihrer Agenten.

MCP im Detail

Was ist MCP – und woher kommt es?

Das Model Context Protocol (MCP) ist ein offener Standard, der von Anthropic Ende 2024 veröffentlicht wurde. Ziel war es, ein einheitliches Protokoll zu schaffen, über das KI-Modelle und Agenten strukturiert mit externen Systemen kommunizieren können – unabhängig vom Anbieter, Framework oder der konkreten Implementierung.

Das Problem, das MCP löst

Vor MCP musste jede Integration individuell gebaut werden:

    • jedes Tool brauchte eigene Adapter
    • jedes Framework hatte sein eigenes Format
    • Wiederverwendbarkeit war kaum gegeben

MCP standardisiert diese Kommunikation. Es beschreibt:

    • welche Fähigkeiten (Tools) ein System anbietet
    • welche Parameter es erwartet
    • welche Ergebnisse es liefert
    • welche Ressourcen und Prompts bereitstehen

Und das alles:

    • maschinenlesbar (JSON-basiert)
    • standardisiert (offene Spezifikation)
    • unabhängig vom eigentlichen Agenten oder LLM

Wo wird MCP heute eingesetzt?

MCP hat sich rasant verbreitet. Es wird unter anderem unterstützt von:

Beispiele

IDEs & Editoren: VS Code (GitHub Copilot), Cursor, Windsurf 
Agent Frameworks: Microsoft Agent Framework, LangChain
KI-Assistenten: MS Copilot, ChatGPT (Plugins), AI Companion, Custom Agents
Enterprise Tools: Datenbanken, CRMs, Monitoring-Systeme über MCP-Server 

Das Prinzip ist immer gleich:

> Ein  MCP-Server stellt Capabilities bereit.
> Ein  MCP-Client (z. B. ein Agent) konsumiert sie.

Damit wird jedes System, das einen MCP-Server anbietet, sofort für jeden kompatiblen Agenten nutzbar – ohne individuelle Integration.

Warum ist das für den Osterhasen relevant?

Die Färbemaschine ist ein eigenständiges System mit eigener Logik.
Sie als native Funktion direkt im Agenten zu verdrahten, wäre enge Kopplung.

Mit MCP wird die Färbemaschine stattdessen zu einem Capability Server:

    • der Agent fragt: *„Was kannst du?"*
    • die Maschine antwortet: *„Ich kann Farben mischen, Eier färben, Status abfragen."*
    • der Agent nutzt genau das, was er braucht

Plug & Play für KI-Agenten.

 

Die Färbemaschine wird zum Capability Server

Die Färbemaschine ist jetzt nicht mehr einfach ein „Tool“. Sie wird zu einem eigenständigen Service.

Der Osterhase baut einen eigenen Server für die Färbemaschine.
Dieser Server:
  • läuft unabhängig vom Agenten
  • bietet MCP-Endpunkte an
  • versteht RGB-Werte
  • mischt Farben deterministisch

Beispiel:
{
  "red": 120,
  "green": 200,
  "blue": 80
}

Warum ist das wichtig?
Die Maschine wird so zu einem eigenständigen Baustein im System. Das bedeutet, sie kann von mehreren Agenten genutzt und unabhängig weiterentwickelt werden. Und, sie bleibt stabil, auch wenn sich Agenten ändern.

Function Calling vs. MCP

Function Calling MCP
lokal extern
enge Kopplung lose Kopplung
schnell startbar skalierbar
gut für einfache Tasks ideal für komplexe Systeme


Es geht nicht um „entweder oder“, sondern darum, für das vorliegende Szenario das richtige zu wählen. Also: Function Calling für einfache, direkte Aktionen und MCP für komplexe, eigenständige Systeme.

Architektur-Diagramm

  

 

Was haben wir gelernt?

Nach diesem Blogpost haben wir:
  • einen eigenständigen MCP Server
  • lose gekoppelte Agenten
  • saubere Systemarchitektur
  • externe Capabilities statt nur lokaler Funktionen

Und wir haben die Erkenntnis gewonnen, dass der Osterhase nicht mehr selbst malt; er orchestriert Fähigkeiten.

Das ist der nächste Schritt in der Evolution:
  • zuerst: Tools nutzen
  • dann: Systeme integrieren
  • später: Zusammenarbeit orchestrieren

Der Osterhase wird immer effizienter. Die Eier sind nun nicht mehr nur perfekt gekocht, sondern jetzt auch perfekt gefärbt.

Bunte Eier sind schön. Aber was, wenn mehrere Agenten zusammenarbeiten müssen? Im nächsten Blogpost lernt der Osterhase zu delegieren. Und damit betreten wir die nächste Stufe: Multi-Agent-Systeme und Zusammenarbeit.

 

Peter Kirschner
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