Unsichere Zeiten brauchen bessere Entscheidungen

5 Min. Lesezeit
Donnerstag, 08. Oktober 2026

Was aus Daten entstehen kann, wenn Strategie, Governance und Technologie zusammenspielen.

Volatile Märkte, geopolitische Spannungen, neue Kostenstrukturen und ein zunehmend dynamisches Wettbewerbsumfeld machen Planung schwieriger. Gleichzeitig erlebe ich, dass klassische Erfahrungswerte allein immer seltener ausreichen, um tragfähige Entscheidungen zu treffen.

Die Herausforderung besteht nicht darin, die Zukunft exakt vorherzusagen. Sie besteht darin, Veränderungen früher zu erkennen, Annahmen sichtbar zu machen und Handlungsoptionen rasch zu bewerten.

Deshalb bin ich überzeugt: Unsichere Zeiten brauchen bessere Entscheidungen. Und bessere Entscheidungen brauchen verlässliche Daten.

Daten schaffen keine Gewissheit, aber Orientierung

Viele Führungskräfte wünschen sich eine eindeutige Prognose. Doch diese Gewissheit wird es nicht geben. Ob Nachfrage, Lieferketten, Energiepreise oder regulatorische Veränderungen: Rahmenbedingungen können sich schneller verändern, als klassische Planungszyklen darauf reagieren.

Weder datenbasierte Führung noch Künstliche Intelligenz ersetzen Erfahrung. Aber sie  ergänzen Erfahrung um eine nachvollziehbare Grundlage. Wenn Vertrieb, Controlling und Operations mit unterschiedlichen Definitionen und Zahlen arbeiten, dauert bereits die Diskussion über den Status zu lange. Eine solide, unternehmensweite und verlässliche Datenbasis ermöglicht wertvolle Insights, verkürzt diese Schleife und schafft Raum für die eigentliche, fundierte Entscheidung.

ACP_Digital_Quotes_Image

 „Unsicherheit entsteht außerhalb des Unternehmens. Handlungsfähigkeit entsteht innerhalb des Unternehmens. Verlässliche und konsistente Daten sind heute einer der wichtigsten Hebel dafür.“ 

Was aus Daten alles entstehen kann

Einige Veranstaltungen in den letzten Tagen haben mich dazu veranlasst, diesen Beitrag zu verfassen. Letzte Woche wurde auf der FabCon in Barcelona eines unserer Kundenprojekte vorgestellt und gestern haben meine Kolleginnen und Kollegen in Wien beim Microsoft Cloud & AI Day ein weiters Kundenprojekt präsentiert. Zwei völlig unterschiedliche Projekte, aus unterschiedlichen Branchen: Dennoch zeigen beide Projekte denselben Zusammenhang: Aus verlässlichen Daten entstehen bessere Entscheidungen. Der Erfolg belegt eindrucksvoll, welchen Unterschied eine konsequente Datenstrategie machen kann. Nicht die Technologie allein war dabei bemerkenswert, sondern die konkrete Handlungsfähigkeit, die daraus entsteht.

FabCon: Data Driven Foam bei NEVEON

Auf der FabCon in Barcelona wurde das Projekt Data Driven Foam von NEVEON präsentiert. Christian Gasperi führte das Publikum durch die Bedeutung von Data Governance, klaren Rollen, Regeln und Prozessen und zeigte den Governance Data Mesh in der Praxis. Das Projekt wurde für NEVEON in Zusammenarbeit mit EY und ACP CUBIDO umgesetzt und verbindet Governance mit einer Microsoft-Fabric-Architektur.

Für mich liegt darin eine zentrale Management-Botschaft: Unternehmen scheitern selten daran, dass zu wenige Daten vorhanden sind. Viel häufiger fehlen gemeinsame Definitionen, klare Verantwortlichkeiten und verbindliche Standards. Dann wird dieselbe Kennzahl in unterschiedlichen Bereichen unterschiedlich interpretiert und aus einer vermeintlich einfachen Frage entsteht eine Grundsatzdiskussion.

Data-Driven Foam setzt genau hier an. NEVEON verfolgt eine unternehmensweite Datenstrategie. Klare Rollen und Verantwortlichkeiten, ein zentraler Datenkatalog und technische Standards bilden die Grundlage der Data Governance. Der Use-Case-basierte Ansatz bringt das Thema sukzessive in die Fachbereiche. Ein Beispiel ist die Harmonisierung von Sales-Daten, die einen konsolidierten Überblick, effizienteres Reporting und weniger manuelle Aufbereitung ermöglichen soll. 

Die FabCon-Präsentation hat sichtbar gemacht, warum Governance kein Kontrollinstrument am Rand eines Datenprojekts ist. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen Daten verstehen, ihnen vertrauen und sie für Entscheidungen verwenden. Aus meiner Sicht entsteht genau dort Unternehmenswert: nicht durch möglichst viele Daten, sondern durch eine gemeinsame, belastbare Sicht auf das Geschäft.

FABCON TAKE-AWAY

Daten werden erst dann zum strategischen Asset, wenn Rollen, Regeln, Prozesse und Technologie gemeinsam gedacht werden.

Microsoft Cloud & AI Day: Vom Zählpunkt zur Entscheidung

Beim Microsoft Cloud & AI Day haben wir gemeinsam mit Energie Steiermark gezeigt, wie eine moderne Datenplattform die Grundlage für verlässliche Energieprognosen schafft und welche Möglichkeiten die Weiterentwicklung mit Microsoft Fabric eröffnet. Andreas Antensteiner und Tiago Santos von Energie Steiermark sowie unser Kollege Wolfgang Straßer gaben Einblicke in das gemeinsame Projekt: von der Aufbereitung großer Datenmengen bis zur Prognose des Energiebedarfs.

An der Demo-Station wurde das Zusammenspiel unmittelbar erlebbar: Energiedaten zusammenführen, Vorhersagen erstellen, mit Power BI analysieren und Fragen an die Daten in natürlicher Sprache stellen. Der Nutzen reicht über den Blick auf vergangene Verbräuche hinaus. Zukünftige Bedarfe lassen sich besser einschätzen, Lastspitzen früher erkennen und Potenziale für einen effizienteren Energieeinsatz identifizieren.

Die zugrunde liegende Success Story zeigt, wie Energie Steiermark angesichts wachsender Datenmengen durch Smart Meter ihre BI-Landschaft modernisiert hat. Eine unternehmensweite Datenplattform schafft einen Gesamtüberblick über den Stromverbrauch und bildet die Basis für Energiebedarfsprognosen. Aufbereitete Lastgangdaten und Machine-Learning-Modelle unterstützen dabei, benötigte Energieressourcen zielgerichteter und kosteneffizienter zu disponieren. 

Gerade bei volatilen Energiepreisen wird der betriebswirtschaftliche Wert solcher Fähigkeiten sichtbar. Unternehmen können Preisentwicklungen nicht kontrollieren. Sie können aber Transparenz über Verbräuche schaffen, Bedarfe besser einschätzen und Effizienzpotenziale früher erkennen. Das reduziert Unsicherheit und erweitert den Handlungsspielraum.

MICROSOFT CLOUD & AI DAY
TAKE-AWAY

Der Wert von Energiedaten liegt nicht nur im Rückblick, sondern in besseren Prognosen, früher erkannten Lastspitzen und einem effizienteren Energieeinsatz.

Zwei Branchen, eine gemeinsame Botschaft

Ein internationaler Schaumstoffhersteller und ein Energieversorger könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. Doch die Basis ist die gleiche: (Unternehmens)Daten. Der Wettbewerbsvorteil entsteht, wenn diese zu fundierten Entscheidungen führen.

Bei NEVEON entsteht der Mehrwert durch Governance, Transparenz und eine gemeinsame Sicht auf das Unternehmen. Bei Energie Steiermark entsteht er durch die Fähigkeit, große Datenmengen für belastbare Prognosen und einen effizienteren Ressourceneinsatz zu nutzen.

Beide Projekte zeigen auch, warum eine Dateninitiative nicht als isoliertes IT-Projekt verstanden werden darf. Sie braucht ein klares geschäftliches Ziel, Verantwortung in den Fachbereichen, eine verlässliche technologische Basis und die Bereitschaft, Arbeitsweisen weiterzuentwickeln.

Von Berichten zu Handlungsfähigkeit

Viele Organisationen verfügen bereits über enorme Datenmengen. Entscheidend ist nicht, wie viel gesammelt wird, sondern ob daraus konkrete Entscheidungen entstehen.

  • Relevante Signale statt maximaler Datenmengen auswählen.

  • Forecasts mit Szenarien und transparenten Annahmen verbinden.

  • Abweichungen frühzeitig und automatisch sichtbar machen.

  • Entscheidungen und Verantwortlichkeiten an konsistente Kennzahlen knüpfen.

  • Datenqualität, Definitionen und Herkunft nachvollziehbar halten.

Eine moderne Datenplattform ist deshalb kein Selbstzweck. Sie schafft eine gemeinsame Grundlage, auf der Reporting, Planung, Automatisierung und KI verlässlich aufbauen können. ACP CUBIDO beschreibt diesen Weg als Zusammenspiel aus skalierbarer Datenbasis, hoher Datenqualität, Analysewerkzeugen sowie klarer Governance und transparenten Prozessen.

Die Grundlage für KI

Der aktuelle KI-Schub verändert viele Diskussionen in den Führungsetagen. Dabei gerät eine entscheidende Frage leicht in den Hintergrund: Auf welcher Datenbasis arbeitet die KI? Sind die Daten konsistent und in guter Qualität?

Auch leistungsfähige Modelle können nur dann sinnvoll unterstützen, wenn Daten zugänglich, verständlich und vor allen Dingen verlässlich sind. Ohne gemeinsame Definitionen, geklärte Verantwortlichkeiten und nachvollziehbare Qualität skaliert nicht die Intelligenz, sondern die Unsicherheit.

Für das Management lautet die zentrale Frage daher nicht, welche Plattform im Hintergrund läuft. Relevant ist, ob die Organisation schneller zu einer gemeinsamen Sicht gelangt und aus dieser Sicht handeln kann.

Kurz beantwortet

Was sind datenbasierte Entscheidungen?

Entscheidungen gelten als datenbasiert, wenn relevante Daten, Annahmen und Unsicherheiten nachvollziehbar in die Bewertung einfließen. Die Entscheidung selbst bleibt eine Führungsaufgabe.

Braucht jedes Unternehmen eine Datenplattform?

Nicht jedes Unternehmen braucht dieselbe Architektur. Wer Daten aus mehreren Systemen konsistent für Reporting, Planung, Automatisierung oder KI nutzen möchte, benötigt jedoch eine belastbare gemeinsame Grundlage.

Warum ist Data Governance so wichtig?

Weil gemeinsame Definitionen, klare Rollen und nachvollziehbare Standards Vertrauen schaffen. Erst wenn Fachbereiche Daten verstehen und Verantwortung übernehmen, werden Daten im Arbeitsalltag wirksam.

Wie fange ich an?

Ich empfehle als ersten Schritt oft: Wählen Sie eine wiederkehrende Managemententscheidung und prüfen Sie, welche Daten dafür benötigt werden, wo Daten fehlen oder unterschiedlich definiert sind und wie lange es heute bis zu einer belastbaren Sicht dauert. Genau dort beginnt der Weg zu besseren Entscheidungen.